Aus dem Reiseteil des BOSTON SUNDAY GLOBE, 23. Juli 2000 von Lu Stubbs
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November 5, 2003
- Von Lu Stubbs, Korrespondent der Zeitung THE BOSTON GLOBE
Florenz, Italien. „Sich vorzustellen in Florenz wie ein Einheimischer zu leben“. Sich vorzustellen, dort Italienisch zu studieren und jeden Tag sein „BUON GIORNO“ zu sagen! Meine Liebe zu Italien, meine Kariere als Bildhauerin und mein Interesse für die italienische Sprache gaben den Ausschlag zu einem Studium zusammen mit meinem Mann Hal in Florenz. Wir buchten einen 3-wöchigen Kurs beim Centro Koine. Wir mieteten ein gemütliches Apartment (mit TV und Waschmaschine) zu günstigen Bedingungen.
Neben den vielen Schätzen der Stadt, die wir besichtigten, erklommen wir auch die 360 Stufen zu der grün-weiß gestreiften Kuppel des Domes. Wir besuchten Michelangelos David in der Akademie und die Botticellis in den Uffizien. Aber wir hatten auch einen Blick auf das normale Leben, welches Touristen im Allgemeinen nicht wahrnehmen. Wie viele Wohnungen in Florenz, hatte auch unsere einen kleinen Hof mit Bäumen und Büschen. Von unseren Fenstern blickten wir auf andere Häuser mit den schmalen bepflanzten Balkons. Manchmal hing dort Wäsche oder Arbeiter verrichteten Ausbesserungen an den hölzernen Türen, Hunde lagen in der Sonne.
In unserer Straße war eine „Bar“ in der wir das typische Frühstück – Kaffee und "Brioche" – zu uns nahmen und telefonierten. Nebenan war ein Milchladen, in dem ich kurze italienische Gespräche mit der Inhaberin führte. Sie informierte mich über Bushaltestellen und günstige Umtauschstellen für Traveler Schecks. Die nahegelegene Bank war eine Villa in einem Park mit exotischen Pflanzen und innen mit Kristalllüstern. Und wir fanden die Umtauschrate günstiger als woanders.
Vor unserem Haus auf einem großen Platz befand sich der Englische Friedhof. Dort spielte der Anfang des Films “Tee mit Mussolini“, als die ausgebürgerte Frau Elizabeth Barret Brown an ihrem Grab ehrte. Diesen Platz zu überqueren erforderte Aufmerksamkeit und Geduld, und wir lernten, dass langsames Trödeln ein Fehler war, glücklicherweise gab es eine Verkehrsampel.
Der 20-minütige Spaziergang von unserer Wohnung zum Centro Koine dagegen war geruhsamer nach dieser Hürde, wir achteten nun darauf, nur schmale Straßen zu überqueren. Wir begegneten Arbeitern und kamen an Obst- und Gemüseverkaufsständen vorbei und atmeten den Duft von frischgebackenem Brot aus einer Bäckerei ein.
Es gab elegante Häuser mit riesigen geschnitzten Holztüren. Aus einer tauchte eine freundliche Frau auf, die ausgesetzte Katzen fütterte, und wir erzählten von unserer katzenliebenden Tochter zuhause. Wir trafen junge Frauen mit ihren Babies und Gruppen von Studenten, eingehüllt in Zigarettenqualm, die gelangweilt auf das Öffnen ihrer Schultüren warteten. Dann kamen wir zu der Kreuzung, und wir sahen den Dom. Dieser Matriarch war im Zentrum von allem, es schien immer wieder eine Überraschung zu sein, von jedem Punkt der Stadt einen Schimmer von ihm zu erblicken.
Uns machte die Schule großen Spaß, besonders wenn Donatella unsere Lehrerin war. Groß und stattlich war sie, eine richtige Schauspielerin. „Pavarotti è bravissimo“ rief sie aus und schüttelte ihr langes rotes Haar. Oder während sie ihre großen braunen Augen rollte „Die armen Katzen“ rief, erzählte sie von sieben Kleinen, die sie adoptiert hatte. Wild gestikulierend schilderte sie ihren täglichen Weg auf dem Motorino von der Vorstadt ins Zentrum.
In den Klassen studierten wir nicht nur, wir hatten auch die Gelegenheit Menschen aus der ganzen Welt und allen Alters zu treffen. Von den 29 registrierten Studenten im März waren nur fünf aus Amerika, andere aus Korea, Japan, Norwegen und der Schweiz und sonst woher. Unter ihnen war ein pensionierter Kapitän, ein Psychotherapeut, ein Opernsänger und drei Studenten der Modeschule. Wir verteilten uns auf die Klassen „nicht ein Wort“ bis „ausgezeichnet“.
Aber der größte Vorteil war unser Zusammensein mit den aufgeschlossenen Lehrern und Mitarbeitern der Schule. Sie waren nicht nur unsere Lehrer, sondern auch unsere Führer durch die Stadt und Ansprechpartner für alle Probleme.
Wir hatten außer der Schule auch Zeit für andere Dinge. Oft aßen wir abends in Restaurants, und es war gemütlich, mit anderen Menschen zusammen zu sitzen. Als wir eines Abends in die „Yellow Bar“ in der Via Proconsolo gingen, saßen wir mit einer Familie Valentes zusammen. Wir unterhielten uns, und bevor wir uns trennten, lud uns Michel Valentes zu einer Fahrt am nächsten Wochenende ein. Dies führte uns nach San Gimignano zu den alten Türmen und später waren wir seine Gäste zum Essen. Oft warteten wir mit anderen vor dem Restaurant „Le Mossacce“, was von Einheimischen und Touristen geschätzt wurde. Eines Abends saßen wir mit einem Paar aus Süditalien zusammen, die eigentlich ihre Hochzeit zu Hause geplant hatten, sich dann aber entschlossen, in Venedig zu heiraten. Manchmal aßen wir im Self-Service zusammen mit Gruppen von Kindern und Schülern.
Eine kurze Busreise führte uns in die Hügel um Florenz und nach Fiesole mit seinem römische Amphitheater und dem archäologischen Museum. Wir besuchten die Villa I Tatti, wo der Kunsthistoriker Bernard Berenson gelebt hat. Er schenkte die Villa der Harvard Universität mit der Kunstsammlung und der Bibliothek. Und nun wohnten hier Studenten aus allen Ländern. Um einen Besuch zu planen, benötigt man eine Einladung von Harvard.
Eines Tages machten wir uns auf den Weg mit dem Zug nach Bologna, der Stadt der Bögen und Farben: orange, rot und gelb. Durch das Tourist-Büro am Bahnhof bekamen wir Anregungen zum Besuch der wichtigsten Sehenswürdigkeiten: Kirchen, Türme und Palazzi. Wir entdeckten auf der obersten Etage des Rathauses ein Museum, gewidmet Giorgio Morandi, einem meiner favorisierten Künstler.
Zurück in Florenz widmeten wir uns unseren täglichen Aktivitäten: wir verschickten Emails und besuchten den Markt von Via de Macci , welcher meistens mittags nach der Schule schon geschlossen hatte. Die Verkäufer säuberten ihre Stände, und wir konnten für wenige Lire unseren Bedarf an Obst und Gemüse aus den übriggebliebenen Waren erwerben, und da hatten wir auch Gelegenheit unsere Sprachkenntnisse anzuwenden. Sonst kauften wir unsere Waren im Kaufhaus Standa. Dort musste man, bevor man die Waren anfasste, Plastikhansschuhe anziehen, eine Plastiktüte nehmen, in der die Waren abgewogen und mit Preisen versehen wurden Zwei meiner Schwachpunkte waren die Tafeln der Schweizer Schokolade und Makronen, die ich nicht so teuer wie bei uns zu hause erwarb.
Wir genossen die verschiedenen Gesichter von Florenz. Wir saßen auf den Stufen des Doms und beobachteten die Touristen oder den weißgesichtigen Clown oder die Ballerina. Wir kamen an dem Bettler vorbei mit seinem Hund und den Welpen, die jedes Mal größer waren. Wir hielten an einer Ecke, wo ein steinernes Monster Wasser in einen Trog spie.
Am Wochenende war es geruhsam im Park zu sitzen, wo Mamas und Papas mit ihren Kleinen Ball spielten und Karussell fuhren oder Hunde ausführten. Eines Tages sahen wir einen Riesenbus, der um die Kurve fahren wollte aber nicht konnte, da dort ein Auto parkte. Was war zu tun? Sechs Kumpel erschienen und hoben das Auto in die Höhe, der Bus konnte fahren. Großer Applaus von den Reisenden!
Und unser Applaus gilt unserem Entschluss, dass nach 2 Studienreisen 1997 am Keine in Lucia und 1971 in Perugia unser nächster Aufenthalt am Keine in Bologna sein könnte.
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