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    ELBA - Der etwas andere Urlaub

Ein Sprachkurs im Centro Koinè in Rio Marina - von Michaela Zimmermann
 

December 5, 2007 - Schon bei der Überfahrt von Piombino Marittima nach Elba halte ich auf der Fähre gespannt Ausschau nach meinem Reiseziel, dem kleinen Ort Rio Marina. Dort habe ich einen einwöchigen Sprachkurs des Centro Koinè gebucht, das erst seit diesem Jahr auch einen Sitz auf der italienischen Insel hat. Ein Sprachaufenthalt in Rio Marina erschien mir ideal, da es etwas abseits der bekannten Urlaubsorte liegt und man somit nicht Gefahr läuft, eine englische Antwort zu bekommen, wenn man stolz seine neu erworbenen Sprachkenntnisse testen will. Gleichzeitig sind mit dem Bus oder dem Auto aber auch schnell stärker touristisch geprägte Städtchen, wie Porto Azzurro, zu erreichen.
Von der Fähre aus wirkt der überschaubare, von unberührter Natur umgebene Ort mit seinen kleinen Häuschen in warmen Farben und den kleinen Fischerbooten sofort sehr einladend. Begrüßt werde ich am Hafen von der achteckigen Torre degli Appiani, die seit dem 19. Jahrhundert die Stadtuhr trägt. Durch enge Gässchen und kleine Plätze gelange ich in nur wenigen Gehminuten zu meiner Unterkunft, der Casa Valdese, wo mich die Hausherren Paolo und Maddalena freundlich in Empfang nehmen. Die Mehrbettzimmer sind praktisch, aber dennoch gemütlich. Eine relativ große Gartenanlage lädt zu einem Sonnenbad beziehungsweise zum Entspannen im Schatten ein. 2 km außerhalb von Rio Marina auf dem Monte Fico liegt dagegen der Agritourismus „Le Sughere“. Auch hier können die Zimmer direkt über das Centro Koinè reserviert werden. Allerdings empfiehlt sich ein Auto; Parkplätze sind vorhanden.

Sehr schnell fällt mir auf, dass sich alle 2000 Einwohner Rio Marinas zu kennen scheinen. Meine Italienischlehrerin Paola bestätigt mir, dass es einerseits fast unmöglich ist, etwas ohne das Mitwissen der anderen zu tun, man auf der anderen Seite aber, wenn nötig, immer Hilfe und Unterstützung erhält. Die Vorteile scheinen aber zu überwiegen, da sie sich nach jahrelangem Leben auf dem Festland schließlich doch entschlossen hat, wieder nach Rio Marina zu ziehen. Da die Bewohner des Ortes sehr offen sind, werde auch ich bald in die Gemeinschaft einbezogen. Schon am Tag meiner Ankunft lerne ich zum Beispiel den Held der Stunde kennen, einen Wahl- Elbaner, der am Iron Man- Triathlon teilgenommen und eine Medaille gewonnen hat. Es überrascht kaum, dass derselbe am nächsten Tag als Kellner im Restaurant wieder vor mir steht.

Hauptsächlich geprägt ist Rio Marina immer noch durch seinen Reichtum an Mineralien. Schon seit der Zeit der Etrusker wurde im Tagebau direkt hinter dem kleinen Ort vor allem Eisenerz abgebaut und konnte aufgrund der strategisch günstigen Lage relativ einfach zu wichtigen Mittelmeerstädten transportiert werden. Inzwischen ist der Import billiger geworden und die Arbeit in den Mienen gehört seit 1975 endgültig der Vergangenheit an. Dennoch findet man überall Verweise auf die Vergangenheit:
Besonders von der letzten von 12 ehemaligen Eisenerz-„Wäschereien“ aus, einer Vorrichtung zur Reinigung des Erzes von Erde und grobem Schmutz, bekommt man einen schönen Überblick über den früheren Weg des Erzes. Hinter dem Gebäude kann man durch das ehemalige Abbaugebiet streifen und noch das ein oder andere Souvenir finden. Bei dem schönen Ausblick über ganz Rio Marina bis zum Meer kann man sich gut vorstellen, wie das Eisenerz den Berg hinab in Richtung Meer transportiert wurde, wo die letzte von 12 Landungsbrücken noch über das Verladen der Mineralien auf Schiffe Aufschluss gibt.

Eben diese „Wäscherei“ ist der geplante zukünftige Hauptsitz des Centro Koinè auf Elba, das damit seinen Anspruch nicht nur die italienische Sprache, sondern auch die Kultur des Landes zu vermitteln deutlich macht. Auch bisher fungieren historisch interessante Örtlichkeiten als Unterrichtsräume, wie zum Beispiel ein ehemaliger Lagerraum direkt am Meer oder ein Raum im ersten Stock des Museums für Mineralien und Bergwerkskunst. Dieses ehemals wichtigste Verwaltungsgebäude stellt die Hauptattraktion Rio Marinas dar. Im Palazzo del Burò befindet sich nämlich nicht nur eine der bedeutendsten Mineraliensammlungen Elbas, sondern neben Fotos auch Rekonstruktionen von Förderanlagen. Zudem ist er vor allem in der Hauptsaison der Ausgangspunkt für Gänge zur Mineraliensuche oder für Wanderungen in den Eisenerzminen, teilweise auf den alten Transportpfaden des Erzes. Auf Vorbestellung startet von hier aus auch ein kleiner Zug, auf dem man durch die wichtigsten Eisenerzminen fahren kann. In den Sommermonaten Juli und August besteht für Familien außerdem die Möglichkeit an einem geologischen Workshop teilzunehmen, bei dem Mineralien gesammelt und analysiert werden.

Auch der Aufbau des Italienischunterrichts selbst macht die doppelte Intention der Schule mit Hauptsitz in Florenz deutlich. Anhand der kommunikativen Methode vermitteln 5 Lehrer auf 5 verschiedenen Sprachniveaus nicht nur Wortschatz, sondern auch historisches Wissen über Rio Marina. Vorrangiges Ziel dieser Methode ist es, die rhetorischen Fähigkeiten der Schüler zu verbessern. Die Grammatik wird dagegen meist erst in einem zweiten Schritt behandelt.
Die Sprachschüler, die im Gründungsjahr des Centro Koinè auf Elba vorwiegend aus Deutschland, Österreich und aus Nordeuropa kamen, werden durchschnittlich für zwei Wochen an charakteristischen Orten in Klein- und Kleinstgruppen von maximal 8 Teilnehmern unterrichtet. Wählbar sind Individual-, Gruppen- oder kombinierte Kurse, bei denen das in der Gruppe erworbene Wissen im Einzelunterricht am Nachmittag vertieft werden und der Lehrer direkt auf die Bedürfnisse des Schülers eingehen kann. Auch in meinem Gruppenkurs mit zwei Schweizerinnen ist der Leiter des Centro Koinè auf Elba, Emilio, immer wieder gerne dazu bereit, von uns aufgeworfene Themen in den Unterricht einzubauen.

Neben dem Unterricht erlebe in während meines Aufenthalts drei äußerst spannende kulturelle Aktivitäten des Centro Koinè mit:
Gleich am Montag Nachmittag zeigt uns Emilio das Örtchen und erklärt ein paar historische Besonderheiten: Da sie den Transport des Eisenerzes behindert habe, sei zum Beispiel sogar die ehemalige Kirche des Ortes abgerissen worden, die nach Jahren neu errichtete St. Barbara habe den Eingang aus Platzmangel für Kirchen untypisch zum Ortsausgang hin. Danach gibt es in netter Runde den für Italien typischen „aperitivo“ an der Bar, wobei kaum auffällt, dass man sich die ganze Zeit auf italienisch unterhält. Am Mittwoch wird ein Film über Rio Marina, wie es früher einmal war, gezeigt. Ein Geländegang an einem der darauf folgenden Nachmittage zeigt den Ist-Zustand und ermöglicht Vergleiche. Selbst wenn man nicht gleich jedes Wort versteht, hat jeder Schüler so die Möglichkeit ein tiefes Verständnis für die Geschichte und Kultur des Ortes zu gewinnen, da die wesentlichen Punkte immer wieder aufgegriffen werden. Zudem ist das Konzept Sprachschüler auf verschiedenen Sprachniveaus zusammen zu bringen durchaus auch für Fortgeschrittene eine interessante Herausforderung.

Das Centro Koinè bietet so die Möglichkeit Spracherwerb und Urlaub zu verbinden. An den freien Nachmittagen lädt der kleine Strand Rio Marinas, direkt neben der Torre degli Appiani, sogar bis weit in den Oktober hinein zum Sonnen ein. Zudem sind weitere Strände für jeden Geschmack, mit Sand oder Steinen, aber auch mit verschiedener Ausstattung gut zu erreichen. Auch Geschichts- und Kunstmuseen oder kleine romanische Kirchen lohnen einen Besuch. Dennoch sollte man auf keinen Fall die Spezialitäten Rio Marinas übersehen: Hier gibt es frischen Fisch in Restaurants, in denen Elbaner noch für Elbaner kochen und Touristenmenüs nicht existieren. Als Nachspeise bietet sich eine „Schiaccia briaca“ an, eine süße Spezialität Rio Marinas mit unter anderem Nüssen, Sultaninen, Pinienkernen und einem Schuss des roten Dessertweins Aleatico dell`Elba. Die Strandpromenade ermöglicht Spaziergänge, bei denen man das geschäftige Treiben am Hafen bei Ankunft der Fähren beobachten kann. Frühaufsteher können hier wunderschöne Sonnenaufgänge erleben.
Wer es lieber sportlich möchte, sollte sich vertrauensvoll an Emilio wenden. Der ursprüngliche Mailänder lebt vor allem wegen der Natur und des Sports auf Elba und vermittelt sehr gerne, was er selber lebt. Ob Trekking, Kanu fahren oder Radtouren, Emilio hat sicher einen Rat parat. Nicht nur wegen seiner Zuvorkommenheit, sondern auch wegen des Flairs des gesamten Örtchen bin ich mir ganz sicher, bald dorthin zurück zu kehren.

   
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